Endlich durch …

 

… den Schnee stapfen.

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In Göteborg haben die Kleine der Familie und ich vergebens sehnsüchtig auf den ersten Schnee gewartet. Dabei waren wir überzeugt davon, dass es bis zu meiner Abreise am 16. Dezember Schnee gibt. Wir hatten uns für den ersten Schnee viel vorgenommen. Schneemann bauen, Schneeballschlacht und uns in den Schnee legen und Engel formen.

Das alles kann man nun nachdem es ausreichend geschneit hat endlich machen. Jetzt halt leider nicht mehr gemeinsam, sondern im regen Austausch über die sozialen Medien. Selbst das Abschiedsgeschenk das mir die Große gemacht hat und das ich jeden Tag trage, passt perfekt zum Winter.

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Brr, kalt. Aber auch wunderschön so ein Spaziergang durch den Winterwald. Ein Tag im Schnee ist eine Fahrkarte in unserer Kindheit. Wir haben mit der Zunge Flocken fangen, wider das Verbot unserer Eltern sogar Schnee gegessen, uns rote Nasen und rote Backen geholt und sind Schlitten gefahren.

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Kinderfotos aus dem Familienalbum gestaltet von meinem Bruder

 

Die erste Winterlandschaft des Jahres hat für mich immer wieder etwas Bezauberndes und Märchenhaftes.

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Abschied nehmen …

… und Ankommen. Das aufeinander treffen dieses Ereignisses hat mich ganz schön gefordert. Solange ich bei der Familie war gab es nicht viel Zeit darüber nachzudenken. Der Alltag mit all seinen Aufgaben hatte mich fest im Griff und der nahende Abschied schwang nur so am Rande mit.

Das würde ich zum Beispiel beim nächsten Mal anders machen. Ich würde noch ein paar freie Tage dranhängen um nach der arbeitsintensiven Zeit noch Urlaub zu machen und um mich noch gebührend von Land und Leute zu verabschieden.

Aber natürlich haben wir den letzten gemeinsamen Abend zelebriert. Mit feinem Essen, Geschenken und Erinnerungen an die gemeinsamen Erlebnisse. Wir haben uns in dieser langen Zeit lieb gewonnen. Das aneinander zu mögen wo wir uns ähnlich sind ist ja relativ leicht. Wir mögen uns trotz aller Unterschiede und Macken die wir haben. Voneinander Abschied zu nehmen ist uns allen schwer gefallen. Den Kindern genau so wie uns “Großen”. Das ging nicht ohne Tränen.

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12. Dezember 2016

Zeitig in der früh ging es für mich zum Flughafen. Abschiedsschmerz und Vorfreude lagen da nah beieinander. Dazu kam noch die Ungewissheit ob ich meinen Anschlussflug in Kopenhagen erreichen würde, da der von mir gebuchte Flug ausgefallen ist.  Aber Dank der Unterstützung der Mitarbeiter der Scandinavian Airline – SAS schaffte ich den Umstieg und konnte den herrlichen Sonnenaufgang auf dem Flug von Kopenhagen nach Zürich genießen.

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15. Dezember 2016

Die Weiterreise mit dem Zug nach Vorarlberg konnte ich mit leichtem Gepäck antreten. Für meine Koffer war die Zeit zum Umladen zu knapp. Die wurden mir einen Tag später bis vor die Haustür geliefert. Also alles gut gegangen.

Wieder daheim!

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Schnellstmöglich wollte ich meine Kinder und Enkelkinder sehen und umarmen. Freunde treffen und mit jenen die weiter weg sind ausführlich telefonieren.

In der Zwischenzeit habe ich das alles gemacht.Es fühlt sich gut an wieder hier zu sein und in schönen Erinnerungen zu schwelgen. Davon gibt es mehr als genug.

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Fräulein Julie …

… ist das bekannteste Werk des Schriftstellers August Strindberg und bescherte ihm 1888 internationalen Ruhm. Seither steht das Drama immer und immer wieder auf dem Spielplan vieler Theaterbühnen.

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Erzählt wird die Geschichte einer Liebe jenseits der Standesgrenzen. Die adelige Julie und Diener Jean kommen sich in der Mittsommernacht näher. Ausgelassen und ungehemmt tanzt und flirtet sie mit ihm. Er, zuerst noch zögerlich, nimmt sie schlußendlich mit in sein Zimmer. Die erotische Anziehungskraft der beiden ist mindestens so groß wie die Widerstände gegen ihre unstandesgemäße Liaison. Die Stimmung zwischen dem Liebespaar wird immer angespannter und endet in einem heftigen Streit mit gegenseitigen Beschimpfen und Vorwürfen. Verzweifelt greift Julie nach dem Rasiermesser das ihr Jean ungerührt reicht. Sie verlässt das Haus und begeht Selbstmord.

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Foto: Thomas Aurin 2012, Schaubühne Berlin

Der Anspruch Strindbergs das Leben ungeschönt auf die Bühne zu bringen und sein psychologischer Realismus sorgen dafür dass Fräulein Julie als Meisterwerk gilt und es ist bis heute das meistgespielte seiner rund 60 Stücke.

Fräulein Julie wurde auch schon mehrmals verfilmt. Unter anderem 1921 mit dem dänischen Stummfilmstar Asta Nielsen und zuletzt 2014 unter der Regie von Liv Ullmann und mit Jessica Chastain und Colin Farrel in den Hauptrollen

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Johan August Strindberg zählt zu den wichtigsten schwedischen Schriftstellern.

Er wurde 1849 in Stockholm geboren und arbeitete nach einem abgebrochenen Medizinstudium als Journalist und Bibliothekssekretär. Gleichzeitig begann er mit seiner schriftstellerischen Arbeit.

1877 heiratete er die Schauspielerin Siri von Essen die bei der Uraufführung von Fräulein Julie in Kopenhagen die Hauptrolle spielte. Da das Stück von der Zensur verboten wurde fand die Aufführung im Rahmen einer geschlossenen Gesellschaft statt. In Schweden wurde das Stück überhaupt erst 1906 in Stockholm aufgeführt.

Um der konservativen schwedischen Öffentlichkeit zu entfliehen lebte er über einige Jahre hinweg in Dänemark, Großbritannien, Frankreich Deutschland und auch in Österreich.

14 Jahre und drei Kinder (Karin, Greta, Hans) später wurde die Ehe 1891 geschieden und Strindberg heiratete zwei Jahre später die Österreicherin Frida Uhl. Ein Jahr danach kam Tochter Kerstin zur Welt.

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1901 heiratet Strindberg zum dritten Mal. Mit der Schauspielerin Harriet Bosse hat er Tochter Anne-Marie. 1904 wurde auch diese Ehe geschieden.

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Als „Pappa“ gestaltete er, für die damalige Zeit eher ungewöhnlich, häufig den Alltag mit seinen Kindern. Sie waren ihm immer sehr wichtig und er tat viel dafür um nach seinen Scheidungen die Beziehung zu seinen Kindern zu pflegen.

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Mit den größeren Kindern übers Briefe schreiben, seine jüngste Tochter holte er im Sommer oft zu sich nach Stockholm. Sie wurde sein “Lieblingskind” und er verwöhnte sie mit Zeit und Geld. Kinder sind in seinen Stücken öfter Symbol für das Gute.

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Auch mit seinen Freunden, von denen sich manche auch durch Strindbergs nicht unumstrittene Persönlichkeit und Ansichten bitter enttäuscht von ihm abwandten, pflegte er regen Briefverkehr über die aktuellen Themen der Zeit.

Eine konstante Größe im Leben Strindbergs war die Musik. In vielen seiner Werke ist seine Ansicht dass Musik die Menschen beeinflussen kann offensichtlich. Von allen Komponisten schätzte er Beethoven am meisten. Strindberg selbst spielte begeistert in Gasthäusern und Studios Gitarre.

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Im Juli 1908 mietete Strindberg eine Wohnung mit Vollpension im modernst ausgestatteten Stadthaus – The blue Tower – in der Drottninggatan 85 in Stockholm und wohnte dort bis zu seinem Tod am 14. Mai 1912

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Seit 1973 befindet sich in den Wohnräumen Strindbergs das Museum. Neben all den in Vitrinen ausgestellten Exponaten sind  einzelne, möbilierte Räume so zu sehen wie sie zu Strindbergs Zeiten eingerichtet waren.

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Schloss Tjolöholm …

… würde sich hervorragend für die Verfilmung der Jane Austin Bücher eigenen. Ein Schloss, im Tudorstil des 16. Jahrhunderts, dass man so in Schweden nicht vermuten würde.

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1892 erwarb der Kaufmann James Frederik Dickson das im 13. Jahrhundert errichtete Gebäude. Dass erst dreißig Jahre alte Gebäude im italienischen Renaissancestil war in einem herunter gekommenen Zustand.  Dickson beauftragte den Architekten Lars Israel Wahlman mit einem Neubau. Der ließ sich vom britischen Kunsthandwerk mit der Liebe zu Naturmaterialien und hochwertiger Verarbeitung inspirieren.

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Das Anwesen liegt, umgeben von Eichenwäldern und Wiesen auf einer eigenen Halbinsel am Kungsbackafjord. Dickson selbst verstarb 1898 zu Baubeginn und das Schloss wurde unter den wachsamen Augen seiner Frau Blanche wie geplant fertig gestellt.

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Als sozial engagierte Frau ließ Blanche Dickson auf dem Gelände ein ganzes Dorf für die Landarbeiter des Guts errichten. Weiters entstanden eine Kirche, eine Wagenburg und Stallungen.

Im Gegensatz zu der im britischen Stil errichteten Fassade steht die Einrichtung des Schlosses. Die Räumlichkeiten wurden opulent und mit der modernsten verfügbaren Technik der damaligen Zeit ausgestattet. Das versetzt einen in Erstaunen. Da gibt es Bäder und Toiletten mit Wasserspülung und den ersten elektrischen Staubsauger des Landes zu sehen. Zu besichtigen sind auch das Kinderzimmer samt Spielsachen, Kleidung und Fotos der Kinder und der Gästetrakt mit farblich unterschiedlich gestalteten Gästezimmern. Eines davon, das wurde extra besonders prunkvoll für den gestaltet. Leider verstarb der König bevor er der Einladung nachkommen konnte und so blieb das Königszimmer ungenützt.

Im ersten Geschoss befinden sich das Musikzimmer und die Bibliothek.

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Das Erdgeschoss war von der Führung ausgenommen, da an dem Tag der Weihnachtsbazar stattfand.

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Im ehemaligen Spielzimmer der Kinder befindet sich heute ein Café. Der ehemalige Reitstall wird heute für Kunstausstellungen genutzt.

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Das Schloss diente 2011 dem von mir sehr verehrten dänischen Regisseur Lars van Trier als Filmkulisse für den Film “Melancholia” mit Charlotte Gainsbourg, Kirsten Dunst und Alexander Skarsgard.

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Bild: ireckonthat.wordpress.com

Sandsjöbacka …

… ist ein faszinierendes Naturreservat mit abwechslungsreicher Landschaft, Flora und Fauna. Das Gebiet erstreckt sich über die drei Gemeinden Mölndal, Göteborg und Kungsbacka. Im Norden wird es vom See Sisjön und im Süden von der Stadt Kungsbacka begrenzt.

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Markierte Wanderwege führen durch das Gebiet. Das hinderte mich aber nicht daran mich bei meiner ersten Wanderung total zu verlaufen. Nicht weil die Karte schlecht ist, sondern ich nicht die Markierung darauf fand/ erkannte an der ich losging. Ich wollte nur eine kleine Runde gehen und war letztendlich drei Stunden unterwegs. Durch die unberührte Natur. Das gefiel mir solange gut, bis ich merkte dass ich der falschen Markierung gefolgt bin und nicht wie gedacht an dem Parkplatz kam von dem ich gestartet bin. Nicht nur an diesem Tag merkte ich wie unglaublich freundlich die Schweden ist.

Ein Ehepaar mit Hund das gerade los gehen wollte half mir bereitwillig. Für den Rückweg hätte ich nochmals Stunden gebraucht. Sie brachten mich mit einer großen Selbstverständlichkeit und mit ihrem Auto zu dem gut 12 km entfernten Parkplatz zu dem ich musste. Das fand ich großartig.

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Auto geparkt beim blauen Kreis, angekommen bei rot!

Mittlerweile verstehe ich es die Karte besser zu lesen und machte ich auf zu einer weiteren Wanderung. Rund um die Seen Sandsjö und Mellsjö, durch die Heidelandschaft und das Moorgebiet.

Gleich zu Beginn geht man durch einen verwunschenen Wald. So stelle ich mir einen Märchenwald vor.

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Ob es hier auch Feen und Trolle gibt? Wer weiß das schon? Auf den Hinweistafeln ist davon nichts zu lesen. Aber über die verschiedenen Baumarten, wie Kiefern, Weiden, Birken, Tannen und Eichen.

Dann lichtet sich der Wald und man wandert auf eine Anhöhe zu und findet sich in einer Heidelandschaft wieder. In früheren Zeiten war das die typische Landschaft für die Umgebung von Göteborg. Mit Zunahme der landwirtschaftlichen Nutzung ist die Heidelandschaft mehr und mehr verschwunden.

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Die Vielfalt der Pflanzenwelt sehe ich, jetzt im Spätherbst, hauptsächlich auf der Schautafel. Auch von der Tierwelt entdecke ich weder Elch, Dachs, Fuchs oder Hase. Die Vielzahl der hier lebenden Vogelarten lässt sich da schon besser beobachten oder hören.

Rund um den Mellsjö reichen die ausgelegten Holzstege nicht aus um trockenen Fußes durch dieses Moorgebiet zu kommen. Es hat die letzten Tage aber auch ausgiebig geregnet.

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Dann geht es wieder in den Wald hinein, der wieder ein ganz anderes Bild bietet. Der morastige Untergrund wird weniger und die Granitsteine unterschiedlicher Größe werden mehr.

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So gelangt man an das Ufer des Sandsjö und an das Ziel der Wanderung. Um drei Uhr nachmittags beginnt es schon dämmrig zu werden.

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Eine Raoul Wallenberg …

… gewidmete übergroße Steinkugel, plaziert am Ende eines Schienenstranges im Berzelli Park in Stockholm erregte meine Aufmerksamkeit. In die Granitkugel am Nybronplatz in Stockholm ist folgende Textzeile in 22 Sprachen eingraviert.

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Der Weg war gerade als Juden deportiert wurden um getötet zu werden. Der Weg war voller Kurven, Gefahren und Hürden als Juden versuchten den Mördern zu entkommen.”

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Mir sagte der Name Raoul Wallenberg vorerst nichts. Ich erinnerte mich aber daran, dass ich in Göteborg bei der Haga Kirche auch schon eine Gedenktafel mit Skulptur zu Ehren Wallenbergs gesehen hatte. Meine Neugier war geweckt und wieder zurück in Göteborg begann ich zu recherchieren.

Dabei entdeckte ich als erstes, dass nur wenige Schritte von der Granitkugel entfernt zwölf kniehohe Steinskulpturen aus Gußbronze und ebenfalls in Bronze der Schriftzug von Wallenberg’s Unterschrift zu sehen ist. Dieses Denkmal wurde von der dänischen Künstlerin Kirsten Ortwed gestaltet und von König Carl XVI Gustaf 2001 eröffnet.

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Bilder: http://www.chgs.umn.edu

Das Denkmal mit der Granitkugel wurde 2006 von den Architekten Aleksander Wolodarski und Gabriel Herdevall im Auftrag der jüdischen Gemeinde und der Stadt Stockholm gestaltet. Von der Kugel aus führt ein ins Straßenpflaster eingelassener Schienenstrang bis zur großen Synagoge.

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Bild: http://www.wikiwand.com

Das alles habe ich in der Dunkelheit und auch weil ich mich vorher nicht informierte was es am Nybronplatz zu entdecken gibt, einfach “übersehen”.

Raoul Wallenberg wurde in Amerika, Israel und anderen Ländern für seine Rettungsmission während der NS-Zeit für ungarische Juden als Held gefeiert. 1945 wurde er in ein sowjetisches Gefängnis gebracht. Sein weiteres Schicksal konnte bis heute nicht ganz geklärt werden. Aus verschiedenen Gründen dauerte es lang, bis er in Schweden Anerkennung fand.

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Zum einen war seine Familie in Finanzgeschäfte mit der deutschen Regierung verwickelt. Dann, dass Wallenberg seine Arbeit erst begann als schon mehr als 400.000 ungarische Juden deportiert wurden und das noch dazu sein humanitäres Engagement eine von den USA initiierte und mitfinanzierte Rettungsaktion war. Auf der Suche nach einer für die auf zwei Monate angelegten Aktion in der 650 ungarische Juden nach Schweden gebracht werden sollten kam man auf den Geschäftsmann Wallenberg.

Wallenberg wurde 31-jährig im Juli 1944, als Legationssekretär an der schwedischen Botschaft in Budapest eingestellt. Wallenberg ließ sich nicht beschränken und stattete tausende Juden mit schwedischen Schutzpässen aus. Später rettete er mit seinen Mitarbeitern weitere Tausende aus Transporten und Todesmärschen.

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Bilder: http://www.raoulwallenbergentre.org und http://www.raoulwallenberg.net

Anfang 1945 eroberte die Rote Armee Budapest. Wallenberg selbst hatte Kontakt zur sowjetischen Seite aufgenommen, nachdem Schweden in Moskau um Beistand für das Gesandtschaftspersonal gebeten hatte.

Danach wird es, was das weitere Leben Wallenbergs betrifft undurchsichtig und konnte bis heute nicht restlos geklärt werden.

Wallenbergs Mutter wurde im Jänner darüber informiert, dass ihr Sohn in der Sowjetunion in Sicherheit sei. Danach begann ein Verwirrspiel mit Desinformationen und Unwahrheiten in denen auch Schweden eine undurchsichtige Rolle spielte. Schon im Jänner hieß es Wallenberg sei verschwunden und wahrscheinlich nicht mehr am Leben.

Erst 2010 fanden Forscher heraus, dass Wallenberg im Juli 1947 noch lebte und als Gefangener “Nr.7” verhört wurde. Am Rande eines Medizinkongresses in Moskau 1961 berichtete ein Arzt, dass Wallenberg in einer psychiatrischen Klinik sei. Auf Nachfrage von Schweden und vermutlich auf Weisung der Sowjetunion widerrief der Mediziner das später. Weitere Nachfragen blieben ohne Ergebnis. Auch ein Gespräch seinerzeit des deutschen Bundeskanzlers Helmut Kohl mit seinem Amtskollegen Michail Gorbatschow. So bleibt vieles bis heute im Unklaren.

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Die Gedenkstätte in Göteborg wurde von der Künstlerin Charlotte Gyllenhammer gestaltet. Sie befindet sich zwischen Haga Kirche und Handelsschule im ältesten Stadtteil Göteborgs.

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Die Skulptur zeigt neben dem Bild des jungen Raoul Wallenberg eine Bronzeskulptur mit zwei Kindern.

Heute gibt es etliche Foundations und Institute die sich mit dem Wirken und Leben von Raoul Wallenberg oder allgemein mit dem Thema Völkermord beschäftigen.

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Bild: http://www.raoulwallenberginstitute.org

Die Familie Wallenberg zählt zu den einflussreichsten und wohlhabendsten Familiendynastien in Schweden ist bis heute im Bankgewerbe tätig.

In der heutigen Zeit, wo immer mehr Staaten rechtspopulistische Regierungschefs haben kann man nicht genug daran erinnern wohin diese Denkweise schlimmstenfalls führt.

Stockholm …

… in 32 Stunden. Das ist ein ziemlich große Herausforderung.Dementsprechend gut vorbereitet startete ich meinen Städtetrip. Ankunft in Stockholm, genauer gesagt am wunderschönen Hauptbahnhof.

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Nach dem einchecken im Hotel Birger Jarl– alles so schön und gut wie auf der Homepage – machte ich mich auf zum Stadtspaziergang im Stadtteil Norrmalm. Durch die Fußgängerzone der Drottninggatan, in deren Straßenpflaster sich Texte von Strindberg befinden gelangt ich zu meinem ersten Ziel, dem Strindbergmuseum. Es ist in jenen Stadthaus untergebracht, das der Schriftsteller August Strindberg 1908 bezog. Das Appartement wird seit 1973 als Museum geführt. Doch davon werde ich in einem eigenen Beitrag erzählen.

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In der Drottninggatan flaniert man vorbei an Cafés, kleinen Designläden und an den bekannten großen Markengeschäften.

Ich schlenderte in der Abenddämmerung ein bischen kreuz und quer durch die Seitengassen bis zum Berzeliipark an der Nybroviken Bucht. Rund um den Park befinden sich einige interessante Gebäude und Denkmäler.

Das 1928 fertig gestellte Chinateatern – ein Spielraum für Kleinkunst, klassisches Theater, Kino, Revue und Musical. Das Theater ist von chinesischer Architektur inspiriert und wurde Teil des schon bestehenden Unterhaltungsetablissments “Berns Salonger”.

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Immer schön, besonders wenn es schon dunkel ist, ein Blick über die Bucht. Auf der anderen Seite des Parks das schwedische Nationaltheater “Kungliga Dramatiska Teatern”, kurz Dramaten genannt. 1908 fertiggestellt und von dem Architekten Fredrik Lilljekvist im Stil der Wiener Secession geplant. Auf den acht Bühnen werden jährlich ungefähr tausend Vorstellungen gezeigt.

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Am nächsten Tag, nicht wie vorhergesagt, strahlend blauer Himmel sondern alles grau in grau. Natürlich sehr schade, wollte ich doch die Altstadt – Gamla Stan – und das köngliche Schloss im Sonnenschein erleben. So what!

Das Stadtgebiet von Stockholm verteilt sich auf 14 Inseln, auf einer davon liegt die Altstadt. In Gamla Stan gibt es ja zu den Sehenswürdigkeiten im Freien auch noch das Nobelmuseum. Wie der Name schon sagt, widmet es sich allen Informationen rund um den Nobelpreis. Nach einem ausgedehnten Frühstück vom reichlich gedeckten Frühstücksbuffet war ich gut gerüstet für den Bummel in der Altstadt.

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Als Gründer der Stadt Stockholm gilt Birger Jarl, der hier im 13. Jh. mit dem Bau kleiner Holzhäuser begann. Die meisten davon fielen allerdings Kämpfen und Bränden zum Opfer. Der Großteil der heute bestehenden Gebäude stammt aus dem 17. Jh., viele davon in den Farben ockergelb und rot. Den Charme der Gamla Stan machen genau diese, manchmal schief stehenden Häuser, die engen Gassen und die reizvollen kleinen Läden aus. Gerade richtig um schönes Handwerk zu bewundern und sich zwischendurch aufzuwärmen.

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Nicht zu übersehen ist natürlich die offizielle Residenz des schwedischen Monarchen, das Kunliga Slotttet. Mit seinen 600 Zimmern und eigener Kapelle im Barockstil erbaut dauerte es ungefähr 50 Jahre bis es nach und nach 1754 fertig gestellt war. Heute befinden sich darin unter anderem die Büroräume des Königs und der Königin und es wird bei offiziellen Anlässen genutzt. Ich kam gerade rechtzeitig um die Wachablöse zu sehen.

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Irgendwie hatte ich was falsch verstanden und dachte dass das Schloss nicht zu besichtigen sei. Dabei bezog sich das nur auf die Schlosskapelle. Das ärgert mich, denn wer weiß ob und wann ich wieder Gelegenheit dazu habe.

Aber es ist wie es ist und ich beendete meine Sightseeing Tour mit einem Besuch im nicht minder interessanten Nobelmuseum.

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Abgesehen davon lohnt es sich auf jeden Fall Stockholm ein weiteres Mal zu besuchen.

Die Museen …

… der Stadt eignen sich hervorragend als Schlechtwetterprogramm. Der Herbst ist mittlerweile nicht mehr so bunt, sondern grau in grau mit Nieselregen. Also nichts wie rein in eines der zehn Museen der Stadt Göteborg, die mitten in der Stadt liegen. Gleich fünf von davon kann man mit der ein Jahr gültigen Museumskarte um 40 skr (~ 4 Euro) besuchen.

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Dazu gehören das Naturhistorische Museum, das Schifffahrtsmuseum, das Stadtmuseum, das Kunsthaus und das Design- und Kunsthandwerkmuseum.

In das Världskultur Museum – Weltkultur Museum kommt man bei freiem Eintritt.

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Und genau dieses hatte ich mir für so einen besagten Herbsttag ausgesucht. Nicht nur wegen der Fotoausstellung “Afghan Tales” sondern auch wegen des auf der Homepage angekündigten Konzertes. Auch an solchen Tagen ist der Eintritt ins Museum frei und man zahlt dann für die Veranstaltung extra.

Die Ausstellung selbst, wie man sich vorstellen kann, keine leichte Kost. Sehr interessant die Geschichte und Entwicklung Afghanistans von 550 v. Chr. bis ins Jahr 2016.

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Unglaublich beeindruckend und berührend die facettenreiche Sicht der Fotokünstler auf ihr Land und ihre Menschen.

Der Fotograf Sulaiman Edrissy hat sich selbst mit einer Burka bekleidet auf die Straße begeben und dann die Szene mit und ohne Blick durch die Burka fotografiert.

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Oder das Bild aus einem Burka Geschäft in Herat von Fraidoon Poya die die Rolle der afghanischen Burka deutlich macht. Auf keinen Fall stellt sie diese Burka ein individuelles Kleidungsstück dar und übertrifft die islamische Anforderung zur Verhüllung.

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Hanifa Alizada weist auf die Unterschiede im Reisepass von Männern und Frauen hin. Die Männer besitzen einen Pass, so wie er auch uns vertraut ist. Bei den Frauen wird im Pass zusätzlich ihr Hab und Gut mit abgebildet und beschrieben.

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Im Museumscafè mit tollem Ausblick finde ich sogar ein ruhiges Plätzchen zum Tee trinken und die Ausstellung nachklingen zu lassen. Nach und nach kommen mehr Besucher und finden im Cafè oder auf der großen Treppe, auf der schon Sitzkissen ausgebreitet wurden einen Platz für das Konzert.

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Und dann ist es soweit. Der Kinderchor und der Diskant Chor der Göteborger Oper hat seinen Auftritt und singt und liest zum Thema “Eine Heimat finden” .

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Viele Texte und Komponisten aus Schweden, aber auch Musik von Dvorak und Mozart. Den Abschluss des Programms ist ein Lied namens “Hemma – Zu Hause” mit einemText von Björn Ulvaeus und der Musik von Benny Andersson. Beide besser bekannt als der männliche Part der berühmten Popgruppe ABBA.

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Gunnebo …

… Schloss und Gärten – Slott och Trädgardar.

Schon einmal in einem früheren Beitrag (Midsommardag) habe ich von diesem Schloß erzählt, das mit Straßenbahn und Bus in zwanzig Minuten von der Stadt aus zu erreichen ist. Schon beim Hinweg zum Schloss entlang des Stensjönsees habe ich mir diesmal mehr Zeit zum Beobachten und Fotografieren gelassen.

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Das Schloß wird seit 2015 renoviert und soll wieder die ursprüngliche Fassade und Farbe bekommen. Derzeit wird an der Brüstung gearbeitet. Dort wo die Farbe schon entfernt wurde kann man gut die Besonderheit der Bauweise erkennen. Baustoff war Holz und nicht wie im 18. Jh. üblich Stein.

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Ins Schlossinnere habe ich es leider nicht geschafft, da ich mich vorab zu wenig über die Termine für Führungen informiert habe. Aber die weitläufige Anlage mit ihren Nebengebäuden bietet auch so genug Erfreuliches für das Auge.

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Zum Mittagessen ging ich ins dazugehörigen Café. Wie in Schweden üblich kann man sich zum Mittagessen immer Salat vom Buffet, Brot und Butter nehmen. Und immer gibt es auch Trinkwasser das sich jeder selbst nehmen kann. Finde ich gut. Die Gerichte auf der Speisekarte sind auf den Herbst abgestimmt und selbstverständlich wird dort das ökologische, der Saison entsprechende Gemüse verarbeitet.

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Beim abschließenden Spaziergang durch den Nutzgarten war anhand der Kräuter, Blumen und Gemüsepflanzen gut zu erkennen wie sich der Garten von Juni bis jetzt verwandelt hatte.

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Varbergs…

… Festung in der Provinz Halland. Der Felsen auf dem die Festung errichtet wurde hieß schon früher “Wardberg”, was soviel wie Wehrberg bedeutet. Der dänische Graf Jacob Nielsen wurde des Mordes am dänischen König angeklagt und floh auf seine Grafschaft Halland. 1287 ließ er zu seinem Schutz im Hafen die Burg erbauen. Sie wurde der Umgebung des Felsens angepasst. Das Dorf Getakärr wurde nach dem Bau der Burg in Varberg umbenannt.

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Im 14. Jh. ging die Burg nach einer Belagerung an den norwegischen König. Dieser vermachte sie dem schwedischen Herzog Erik der 1312 mit der zehnjährigen, norwegischen Königstochter Prinzessin Ingeborg verheiratet wurde.

Ende des 16. Jh. wurde das Land von Kriegen und Aufständen verwüstet und Halland gehörte abwechselnd zu Schweden und zu Dänemark. Um die Burg besser verteidigen zu können begannen die Dänen sie in eine Festung umzubauen. Nach dem Umbau, der nach dreißig Jahren 1918 fertig gestellt wurde, galt die Festung Varberg mit Burggräben und Bastionen als eine der modernsten Verteidigungsanlagen Europas.

Das musste sie allerdings nie unter Beweis stellen. Denn die Festung wurde nie wieder angegriffen. Im Frieden von Brösebro wurde 1645 beschlossen, dass Halland und Varberg zu Schweden gehören.

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Die nächsten Jahrhunderte diente die Festung der Verwahrung von Gefangenen. 1931 wurde der letzte Gefangene entlassen und die alten Gebäude nach und nach in einen Aussichtspunkt mit Museen, Restaurant und Jugendherberge umgestaltet.

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Varberg ist zudem einer der bekanntesten Badeorte und besten Windsurfing Reviere an Schwedens Westküste. Die fünf Kilometer lange Strandpromenade reicht vom aus dem Jahre 1903 und unterhalb der Festung gelegenen “Kallbadhuset” – Kaltbadehaus im Norden bis zum Strand Apelviken im Süden.

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